Studie: Strukturelle Defizite bei KI-Weiterbildung
Zwar sehen 91 Prozent der befragten Unternehmen KI als zentral für ihr Geschäftsmodell, 82 Prozent planen höhere Investitionen. Gleichzeitig investieren aber nur 25 Prozent in naher Zukunft substanziell in die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden. Rund 80 Prozent können die Wirkung ihrer Qualifizierungsmaßnahmen nicht belastbar messen. Das ist das Ergebnis einer Studie auf Basis KI-gestützter Tiefeninterviews mit HR-Verantwortlichen aus Unternehmen der sogenannten „Allianz der Chancen“, einer branchenübergreifenden Initiative, zu der u.a. auch Airbus, die Allianz und Bayer gehören. Deutschlands KI-Offensive drohe an fehlender Qualifizierungsarchitektur zu scheitern, heißt es in einer Mitteilung nach Veröffentlichung der Studie. Sie diagnostiziere ein strukturelles Missverhältnis zwischen Technologie-Investitionen und systematischer Kompetenzentwicklung – mit unmittelbaren Folgen für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.
„Wir investieren Milliarden in KI-Technologie – aber ohne eine messbare und skalierbare Kompetenzstrategie bleiben Produktivitätseffekte Zufall“, sagt Monika Wiederhold, Vorstand der Amadeus Fire Group und innerhalb der Allianz der Chancen verantwortlich für Corporate AI Learning. „Wenn Qualifizierung nicht systematisch organisiert wird, verliert der Wirtschaftsstandort an Wettbewerbsdynamik.“
Im internationalen Vergleich läge Deutschland bei der KI-Nutzung zurück: 2025 nutzten lediglich 26 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten entsprechende Technologien, bei Großunternehmen seien es 57 Prozent. Gleichzeitig verschiebe sich der Fokus von Pilotprojekten hin zur breiten Implementierung generativer und zunehmend autonomer KI-Systeme.
Damit stiegen die Anforderungen an die Belegschaften erheblich, heißt es in der Mitteilung. Mitarbeitende müssen KI-Anwendungen steuern, bewerten und in Prozesse integrieren. Tatsächlich haben bislang nur rund 20 Prozent der Berufstätigen in Deutschland eine KI-Schulung im Unternehmen erhalten. 70 Prozent berichten von keinem entsprechenden Angebot. In den Unternehmen selbst zeigten sich ähnliche Muster: Es fehlten verbindliche Kompetenzmodelle, Lernzeit und systematische Erfolgsmessung. Viele Initiativen blieben demnach im Pilotstatus.