ifo: KI-Nutzung in Unternehmen in M-V deutschlandweit am geringsten
Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern weisen deutschlandweit die geringste KI-Nutzung auf. Wie aus einer regionalen Auswertung der ifo-Konjunkturumfrage hervorgeht, setzen 35,5 Prozent der Unternehmen in M-V Künstliche Intelligenz aktiv ein, damit liegt das Land hinter Sachsen-Anhalt (36,9 Prozent) und Thüringen (39,1 Prozent). In der vergangenen Woche hatte das ifo-Institut bereits bekannt gegeben, dass die Unternehmen in Ostdeutschland durchschnittlich hinter den KI-Nutzungsraten der alten Bundesländer zurückliegen. In der ausführlichen Analyse, die das ifo Dresden unter dem Titel „Künstliche Intelligenz in ost- und westdeutschen Unternehmen – Nutzung steigt, Abstand bleibt“ vorab veröffentlich hat, weist allein Sachsen mit 42 Prozent aktiv KI-nutzenden Unternehmen einen höheren Anteil aus, als einige westdeutsche Bundesländer – und liegt unter anderem vor Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Am meisten KI-Einsatz findet sich in Hamburg, Berlin und Rheinland-Pfalz.
Nutzung steigt bundesweit, Ost-West-Abstand wächst
Über alle Bundesländer hinweg stellen die Autoren fest, dass seit 2023 in ost- und westdeutschen Unternehmen die KI-Nutzung stark gestiegen ist: In Deutschland insgesamt hat sich der Anteil der KI-nutzenden Unternehmen in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht. Allerdings habe sich der Ost-West-Abstand in dieser Zeit etwas vergrößert: In Westdeutschland stieg dem ifo-Institut zufolge der Anteil von 15,5 Prozent (2023) auf 55,9 Prozent (2026), in Ostdeutschland von 5,8 Prozent auf 38,7 Prozent. „Ostdeutsche Unternehmen haben damit in der KI-Nutzung stark zugelegt – der Rückstand gegenüber Westdeutschland ist aber 2026 auf etwas mehr als 17 Prozentpunkte angewachsen“, so die ifo-Autoren.
Industrielle KI-Nutzung liegt vorn
Eine große Rolle dürfte die kleinteiligere Wirtschaftsstruktur in den neuen Ländern sowie der ungünstigere Branchenmix mit geringerer Industrie-Quote im Osten spielen, was auch den Ausreißer Sachsen begründet. Gerade das verarbeitende Gewerbe ist ein großer Treiber der KI-Nutzung. Im Ost-West-Vergleich zeigt sich der Rückstand bei der KI-Nutzung in Ostdeutschland aber branchenübergreifend: Im stark KI-treibenden verarbeitenden Gewerbe nutzen den ifo-Daten zufolge 60,4 Prozent der westdeutschen Unternehmen aktiv KI, im Osten sind es 44,7 Prozent – allerdings hat sich der Abstand hier in den vergangenen beiden Jahren verringert. Im Dienstleistungsbereich fällt der Abstand ähnlich aus, wie in der Gesamtwirtschaft (West: 57,1 Prozent, Ost: 38,7 Prozent), hier habe sich die Lücke dagegen zuletzt „kontinuierlich vergrößert“.
Für 17,5 Prozent KI noch kein Thema
Die Auswertung beruht auf Sonderfragen zur KI-Nutzung, die das ifo-Institut seit 2023 jährlich im Rahmen der Konjunkturumfragen erhebt. Die Befragten ordnen dabei ihr Nutzungsverhalten nach „im Einsatz“ (hier als aktive Nutzung gewertet), „geplant“, „diskutiert“ oder „kein Thema“. Dabei der Anteil der Unternehmen, für die Künstliche Intelligenz immer noch kein Thema ist, im Osten (17,5 Prozent) mehr doppelt so groß, wie in Westdeutschland (7,1 Prozent). Das Fazit der ifo-Forscher: „Der strukturelle Rückstand Ostdeutschlands bei der Adoption neuer Technologien zeigt sich auch beim Thema KI“. Eine Besserung hänge maßgeblich davon ab, dass vor allem auch kleine und mittlere Unternehmen den Einstieg in KI-Anwendungen schafften.