„Europa 2031“: Düsteres Szenario für Europas KI-Zukunft – mit Optionen

Eine Gruppe europäischer KI-Experten und Investoren warnt in einem online veröffentlichten Szenario „Europa 2031“ davor, das Europa aufgrund geringer Leistungsfähigkeit in der KI-Technologie die Gestaltungsmacht über seine eigene Zukunft verliert. „Wir werden am Ende wirtschaftlich und politisch an der Seitenlinie bleiben, mit Werten, die wir nicht verteidigen können, Sozialsystemen, die wir nicht mehr finanzieren können, Risiken, die wir nicht angehen können, und einer Union, die nicht halten kann“, heißt es in der Zusammenfassung der Analyse, die im Netz verbreitet wird.

Ursachen für den Gestaltungsverlust sehen die Autoren bereits in der Vergangenheit: Die Europäer hätten bisher vor allem die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung unterschätzt und die eigenen Fähigkeiten zum Aufholen überschätzt. Mittlerweile setze sich die Erkenntnis durch, das mit einem Anteil von nur 5 Prozent an der weltweiten KI-Rechenleistung (vs USA 80 %) ein Aufholprozess schwer werden wird. In dem sehr düster anmutenden Szenario zeichnet „Europa 2031“ für die kommenden Jahre einen Weg in die vollständige Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Größen vor: Beginnend mit einer Ransomware-Welle auf Basis eines leistungsstarken KI-Modells analog Anthropics Mythos im kommenden Jahr, einem wachsenden Druck der USA auf (den einzig wahren Trumpf der Europäer) – den niederländischen Chip-Maschinenbauer ASML (2028), Rationierung der US-Rechenleistung nach Ländern (2029) – das meiste natürlich für sich selbst – der Übernahme der europäischen Autoindustrie durch US-amerikanische Roboterhersteller (2030) mit Folgen für steigende Arbeitslosigkeit und Sozialsysteme unter Druck. „Bis 2031 ist die Macht konzentrierter als je zuvor in der Geschichte. Eine Handvoll Menschen in San Francisco, Washington, D.C. und Peking entscheiden über die Zukunft der Menschheit“.

Die Autoren sehen zwar die Zeit zum Handeln als knapp an, gleichzeitig aber durchaus noch Möglichkeiten zum Gegensteuern. Dazu zählen massive Investitionen in Rechenleistung in Kombination mit einer „gezielten Energiepolitik und radikal optimierten Genehmigungen“. Zudem sollten „KI-Mittelmächte“ gezielt kooperieren: Neben der EU-Zusammenarbeit sollten die Niederlande, Deutschland und Frankreich eine kleine, flinke Koalition mit Ländern wie Norwegen, Großbritannien, Kanada, Japan und Südkorea aufbauen, heißt es. „Jeder hat eine echte Position in der KI-Lieferkette – Talent, Computer, Halbleiterengpässe – die zu einer gemeinsamen Hebelwirkung werden können, um den Zugang zu Frontier-KI zu sichern oder sicherere, zuverlässigere Modelle zu fordern. Eine starke Koalition kann auch zwischen den USA und China vermitteln, was sich als ihre wichtigste Rolle erweisen könnte“.

Für den Arbeitsmarkt schlagen die Autoren ein „Flexicurity-Modell“ nach dänischem Vorbild vor (flexibler Arbeitsmarkt, starkes Sicherungsnetz, aktive Arbeitsmarktpolitik). Dies ermögliche es Unternehmen, KI tiefer einzuführen und gleichzeitig die von ihr verdrängenden Arbeitnehmer durch Umschulung und Einkommensunterstützung zu schützen. Schließlich hätten die Europäer womöglich das Rennen um starke LLM verloren, jedoch könnte sie eine Schlüsselrolle bei der bevorstehenden physischen KI-Revolution spielen. Dazu müssten industrielle Daten und Prozesswissen für inländische KI-Entwickler geöffnet werden.

Das Szenario „Europa 2031“ wird von einer Gruppe europäischer KI-Forscher verfasst, aus Deutschland sind Judith Dada, Venture-Capital-Investorin und Regierungsberaterin sowie Philip Fox vom Berliner KI-Think-Tank KIRA Center beteiligt.

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