Technologie könnte jede zweite Arbeitsstunde in Deutschland übernehmen – theoretisch

Mehr als die Hälfte (59%) der heutigen Arbeitsstunden in Deutschland sind nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey mit bestehenden Technologien technisch automatisierbar – mittels KI-gestützter Agenten für kognitive Aufgaben und Roboter für körperliche Tätigkeiten. Die AutorInnen weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Zahl lediglich die technische Machbarkeit beschreibe und keine Prognose für Jobverluste sei. Während einzelne Aufgaben automatisiert werden, entstehen neue Tätigkeiten. Rollen entwickeln sich weiter, und Beschäftigte werden ihre Fähigkeiten künftig anders einsetzen. 

Die Studie „Agents, robots, and us: How AI reshapes work and skills in Europe“ wurde vom McKinsey Global Institute (MGI), dem volkswirtschaftlichen Thinktank der Unternehmensberatung, durchgeführt. Demnach hat Deutschland unter zehn untersuchten europäischen Volkswirtschaften das größte Potenzial durch KI und Automatisierung: Bis 2030 könnten Unternehmen fast eine halbe Billion US-Dollar an Produktivitätspotenzial erschließen. Im Vereinigten Königreich seien es nur 375 Mrd. USD und in Frankreich 238 Mrd. USD.

„Deutschland kann mit KI besonders viel gewinnen. Aber nur, wenn Unternehmen Arbeit neu organisieren. Der Hebel liegt nicht im Einsatz einzelner Tools, sondern in neuen Arbeitsabläufen, gerade in Industrie und Wissensarbeit“

Ulf Schrader, Senior Partner bei McKinsey & Company in Hamburg

Das verarbeitende Gewerbe habe mit rund 112 Milliarden US-Dollar das größte Potenzial unter allen Sektoren in Deutschland. Weitere bedeutende Sektoren seien Handel (58 Mrd. USD), öffentliche Verwaltung (57 Mrd. USD) sowie das Gesundheits- und Sozialwesen (51 Mrd. USD).

Die Studie klassifiziert alle Berufe in sieben Archetypen, die das künftige Zusammenspiel von Menschen, KI-Agenten und Robotern beschreiben. Mit 35% der Beschäftigten in agentenzentrierten Rollen – Berufe wie Buchhalter, Verwaltungsassistenten oder Softwareentwickler – habe Deutschland den höchsten Anteil unter allen zehn untersuchten Ländern, deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 30%. Weitere 27% arbeiteten in hybriden Rollen, in denen Menschen künftig eng mit Agenten oder Robotern zusammenarbeiten – etwa im Vertrieb, in der Medizin oder im Handwerk.

KI-Tools in bestehende Prozesse einzubetten reicht nicht. Erst die systematische Neugestaltung ganzer Arbeitsabläufe – mit weniger Übergaben, flacheren Koordinationsstrukturen und integrierter Mensch-Maschine-Zusammenarbeit – ermöglicht substanzielle Produktivitätsgewinne. Das erklärt, warum fast 90% der Unternehmen regelmäßig KI einsetzen, aber weniger als 40% messbare Ergebnisse erzielen“

Ulf Schrader, Senior Partner bei McKinsey & Company in Hamburg

Die Nachfrage nach KI-Fluency, sprich: der praktischen Fähigkeit, KI-Systeme im Arbeitsalltag zu nutzen und zu steuern, habe sich seit 2023 versechsfacht. Das ist der stärkste Anstieg unter allen zehn untersuchten Ländern und liegt über dem europäischen Durchschnitt von fünffachem Wachstum. In Deutschland betrifft das rund 780.000 Beschäftigte in Berufen, in denen KI-relevante Skills in Stellenanzeigen als Qualifikationsmerkmale aufgelistet werden.

Von den rund 3.900 für Deutschland ausgewerteten Skills oder Qualifikationen werden 77% sowohl in automatisierbaren als auch in nicht-automatisierbaren Tätigkeiten gebraucht. Diese Skills verschwinden also nicht, sondern werden künftig sowohl von Menschen als auch mit KI genutzt – sie werden nicht ersetzt, sondern in Zusammenarbeit mit KI neu angewendet Insgesamt bleiben 86% der menschlichen Fähigkeiten auch im KI-Zeitalter relevant, insbesondere Soft Skills wie Empathie, Resilienz und Führung bleiben weitgehend unverändert gefragt. Bei technischen Standardfähigkeiten wie Tabellenkalkulation oder SQL-Programmierung verschiebt sich hingegen die Art des Einsatzes: Sie werden künftig zunehmend in Zusammenarbeit mit KI-Systemen angewendet.

(Material aus der Pressinformation von McKinsey)

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