Schatten-KI: Beschäftigte oft weiter als ihre Betriebe
Der unkomplizierte Zugang macht es möglich: Anders als bei vielen vorhergehenden Technologieentwicklungen bringen Beschäftigte seit dem Aufkommen von ChatGPT und Co neue Technologie vom heimischen Sofa eigenständig mit an ihren Arbeitsplatz und setzten sie dort als „Schatten-KI“ mehr oder weniger transparent ein. Nach einer am Samstag veröffentlichten repräsentativen Beschäftigtenbefragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln unter knapp 5.000 Mitarbeitenden geben 29,1 Prozent der beruflichen KI-Nutzenden an, „nicht bereitgestellte“ Tools zu verwenden. Nicht bereitgestellt heißt dem IW zufolge nicht zwingend heimlich oder verboten, wohl aber außerhalb der betrieblichen Kontrolle, „mit entsprechenden Risiken für die Effektivität und Effizienz der Arbeitsprozesse, den Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und Compliance“.
Schatten-Nutzer eher jung und mit Führungsverantwortung
Nach der Analyse der Wirtschaftsforscher sind die Nutzer von Schatten-KI tendenziell jung (unter 30-Jährige: 38,4 Prozent der KI-Nutzenden; über 55-Jährige: 20,7 Prozent) und mit jeweils 34,6 Prozent häufiger Führungskräfte bzw. Akademiker (zum Vergleich: Beschäftigte ohne Führungsverantwortung: 25,6 Prozent; Beschäftigte mit beruflichem Abschluss: 25,8 Prozent). Ein Zusammenhang zwischen Erfahrung im Umgang mit KI und auch privater Nutzung von KI wird erkannt – wer die Potenziale der Künstlichen Intelligenz erkannt hat, will sie augenscheinlich auch im beruflichen Kontext mehr einsetzen. In kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten liegt der Anteil mit 33,5 Prozent über dem der größeren Unternehmen ab 250 Beschäftigten (25,5 Prozent), die häufiger KI-Tools bereitstellen. In Kleinbetrieben wird KI oft in Ermangelung offizieller Bereitstellung im Schatten genutzt.
Durst nach mehr KI
Ursächlich für die Nutzung der Schatten-KI ist der Erhebung zufolge aber nicht unbedingt die Weigerung der Arbeitgeber, KI-Tools für die erlaubte Nutzung bereitzustellen. Das Gegenteil sei der Fall, so die IW-Forscher: Unter den Beschäftigten, die ihrem Arbeitgeber ein starkes Engagement beim Aufbau von KI-Kompetenzen bescheinigen, nutzen 44,5 Prozent Schatten-KI – mehr als doppelt so viele wie unter jenen, die gar kein Arbeitgeber-Engagement in diesem Bereich wahrnehmen (21,3 Prozent). Offenbar weckt gerade die Bereitstellung von KI-Mitteln und Kompetenzen um dieses Themenfeld den Bedarf an noch weiterer Befassung. Das IW rät in der Folge Arbeitgebern dazu, die entdeckte „Bereitstellungslücke“ zu schließen. Die Art der Verbreitung von Schatten-KI deuteten darauf hin, dass Nachfrage und Experimentierwille dem offiziellen Angebot oft vorauslaufen. „Daraus folgen drei praktische Hebel: Kompetenzaufbau, datenschutzkonforme Tools und klare, kommunizierte Nutzungsregeln“, schreiben die Forscher.