Beschäftigungsveränderung nach Alter, Mitarbeiterzahl im Zeitverlauf; Quelle: Stanford Digital Economy Lab

Canaries in the Coal Mine II: Berufseinsteiger stärker von KI betroffen

Es ist ein Update auf eine vielbeachtete Job-Studie über den Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt insbesondere bei Berufseinsteigern aus dem vergangenen Sommer („Canaries in the Coal Mine“) – und die Zahlen bis Juni 2026 bestätigen die Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr: Zwar stellen die Stanford-Autoren um den renommierten KI-Arbeitsforscher Erik Brynjolfsson nach wie vor keinen weit verbreiteten Arbeitsplatzabbau im Zuge des KI-Einsatzes in Unternehmen fest, allerdings gibt es einen relativen Rückgang der Beschäftigung unter jungen Menschen in besonders KI-exponierten Berufen (Berufe, in denen KI größere Tätigkeitsbereiche übernehmen kann) im Vergleich zu Gleichaltrigen in Jobs, die von der Technologie weniger beeinflusst sind. Den Unterschied in der Beschäftigung gegenüber Gleichaltrigen in nicht KI-exponierten Berufen beziffern die Forscher inzwischen auf 19 Prozent (2025: 15 Prozent).

Job-Effekte bei automatisierbaren Tätigkeiten größer

Die Untersuchung auf Basis von US-Lohnabrechnungsdaten des Anbieters ADP (26 Millionen US-ArbeitnehmerInnen in der Datenbank) sieht die Ursache für diese Entwicklung vorrangig nicht in Entlassungen der jungen Beschäftigten, sondern in geringerer Einstellungsneigung vieler Unternehmen. Zudem konzentriere sich der Rückgang auf Berufe, in denen menschliche Tätigkeiten durch KI vollständig automatisiert werden könnten. In Berufen hingegen, in denen Künstliche Intelligenz mehr zur Unterstützung der ArbeitnehmerInnen eingesetzt wird, ist die Beschäftigung stabil oder steigt, insbesondere bei erfahreneren Arbeitnehmern, sogar an.

Zudem weisen die Autoren nach, dass die Beschäftigung insbesondere bei jungen Arbeitnehmern in Berufen zurückgegangen ist, die stark auf kodifiziertes Wissen angewiesen sind: „formelles, standardisiertes, dokumentiertes Wissen, das durch Bildung, Lehrbücher oder schriftliche Verfahren vermittelt werden kann“, schreibt das Stanford Digital Economy Lab in einer Zusammenfassung der Studienergebnisse. Im Gegensatz dazu habe die Beschäftigung bei erfahrenen Arbeitnehmern in Berufen zugenommen, die sich stärker auf implizites Wissen verlassen, das durch Praxis, Mentoring und wiederholte Exposition gegenüber realen Situationen erworben wurde. Zudem stellt die Untersuchung fest, dass Frauen einer höheren KI-Exposition ausgesetzt seien.

Noch keine eindeutigen Beweise der KI-Wirkung auf den Jobmarkt

Zugleich weisen die AutorInnen auch auf mögliche Verzerrungen in ihrer Untersuchung und weitere Einflüsse auf die Entwicklung unabhängig von der KI-Verbreitung hin. „Aus diesen Gründen betrachten wir dieses Papier – oder eine einzelne Studie – nicht als endgültigen Beweis für die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt. Seit der ersten Version unseres Papiers ist eine wachsende Zahl von Forschungen aufgetaucht, und die kumulierten Beweise über die Studien hinweg werden letztendlich informativer sein als ein einzelnes Ergebnis“.

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