Viele Wissensarbeiter haben Sehnsucht nach der Zeit vor KI
KI-Systeme sollen insbesondere WissensarbeiterInnen bei ihrer Arbeit unterstützen und ihnen schneller bessere Ergebnisse liefern – doch bei vielen AnwenderInnen führt der immer stärkere KI-Einsatz einer Befragung zufolge zu einem wachsenden „Gefühl der Entfremdung“ von diesem Systemen. Beinahe drei von vier (72 Prozent) AnwenderInnen geben in einer Befragung der Technologieberatung Adaptavist an, „regelmäßig nostalgisch auf die Zeit vor der breiten KI-Einführung zurückzublicken“. Für die Untersuchung wurden im März 2026 insgesamt 2.500 WissensarbeiterInnen aus Großbritannien, den USA, Kanada, Deutschland und Spanien befragt. Die Ergebnisse wurden jetzt mit dem Titel „Der Preis der KI-Transformation“ online veröffentlicht.
39 Prozent der Befragten sind KI-müde
Besonders auffallend sei, dass Mitarbeitende der Generation Z mit 56 Prozent am häufigsten angeben, die Arbeitswelt vor der KI sei besser gewesen – deutlich mehr als die Generation X mit 35 Prozent. Das widerspräche der gängigen Annahme, Digital Natives seien KI-gestützten Arbeitsweisen grundsätzlich aufgeschlossener gegenüber, schreiben die StudienautorInnen. Als Gen X werden in der Regel die zwischen 1965 und 1980 geborenen Personen definiert, Gen Z zwischen 1995 und 2010. Dabei lehnten die Beschäftigten nicht die Technologie an sich ab, sondern bemängelten lediglich ein kreatives und ethisches Defizit. „Sie reagieren auf den Eindruck, dass im Zuge der KI-Nutzung etwas Menschliches und Bedeutsames verloren geht.“
Nach Daten aus der Studie würde jeder Vierte (25 Prozent) KI am liebsten wieder abschaffen, weil sie die Kreativität einschränkt. 42 Prozent ärgern sich, dass Aufgaben, für deren Erledigung früher jahrelange Erfahrung nötig war, heute mit KI „fast jeder erledigen kann“. 39 Prozent bezeichnen sich als „KI-müde“ mit der Folge, dass sie Tools weniger nutzen und ein gutes Viertel (27 Prozent) hat das Gefühl, dass ihre persönliche Expertise seit Einführung von KI weniger geschätzt wird. Zudem verweist die Untersuchung auch auf versteckte Produktivitätskosten nach der KI-Einführung. 39 Prozent der Befragten geben zum Beispiel an, dass sie mehr Zeit damit verbrächten, KI-Ergebnisse zu überprüfen, als sie durch den Einsatz der Technologie einsparten.
Mehrheit befürwortet trotzdem KI-Ausbau
Die AutorInnen formulieren als Antwort auf diese Zahlen, dass KI-Strategien in Unternehmen die Eigenverantwortung der Beschäftigten für ihre Arbeit ausdrücklich bewahren müssten, zudem menschliche Fähigkeiten und Kompetenzen gezielt gestärkt werden sollten. Denn trotz KI-Müdigkeit und Sehnsucht nach der KI-freien Zeit bleibt die Einstellung der meisten Befragten gegenüber der KI-Strategie ihres Unternehmens positiv: Zwei Drittel (67 Prozent) wünschen sich sogar einen weiteren Ausbau von KI in ihren Betrieben, beinahe ebenso viele vertrauen darauf, dass ihr Unternehmen KI ethisch korrekt einsetzt.
(Grafik: Adaptavist „Der Preis der KI-Transformation“)