Deutsche KI-Talent nach Bundesland; Quelle: interface Germany's AI divide

Studie: Berlin und Hamburg mit höchster Dichte an KI-Experten, M-V weit hinten

Der deutsche KI-Arbeitsmarkt ist groß, aber regional und nach Branchen sehr ungleich verteilt. Wie aus einer gestern veröffentlichten Analyse der unabhängigen Expertenorganisation Interface hervorgeht, verfügt Deutschland mit insgesamt etwa 117.000 KI-Experten über ein größeres personelles Know-how im KI-Bereich, als jedes andere EU-Land und etwa doppelt so viele, wie im zweitplatzierten EU-Land Italien.

Nach absoluten Zahlen gab es zum Untersuchungszeitpunkt im September 2025 die meisten KI-Fachleute in den bevölkerungsstarken Bundesländern Bayern (rund 29.500), Baden-Württemberg (24.500) und Nordrhein-Westfalen (ca. 20.000) – Mecklenburg-Vorpommern wies nach dieser Erhebung im letzten Herbst gerade einmal 341 KI-Talente auf. Auch relativ – KI-Fachkräfte je 100.000 Einwohner – liegt Mecklenburg Vorpommern mit der Zahl 21 klar hinten – die größte Dichte weisen hier die Stadtstaaten Berlin (495) und Hamburg (269) auf. Die Interface-Untersuchung mit dem Titel „Germanys’s AI Divide“ basiert auf Daten der globalen Arbeitsmarkt-Plattform Revelio Labs sowie der Datenplattform Dealroom.co mit Spezialisierung auf Start-ups und Scale-ups.

Die Verteilung der KI-Expertise auf die beiden Stadtstaaten und Industrieregionen folgt der Untersuchung zufolge auch den beiden hauptsächlichen Einsatzfelder der KI-Experten in Deutschland: Der Startup- und IT-Wirtschaft mit Fintechs, Onlinehandel etc. auf der einen – und den industriellen Clustern rund um die Automobilindustrie auf der anderen Seite.

Viel Expertise im IT-Bereich, in Wissenschaft und Industrie

Nach Branchen arbeiten die meisten der KI-Fachleute in Deutschland erwartungsgemäß im IT-Bereich, gefolgt von Wissenschaft, Bildung (Universitäten) und Forschung sowie im Automobilsektor. Das gut ausgebaute Universitätssystem in Deutschland fungiere laut der Autorinnen „sowohl als Talentpipeline als auch als Ziel für Forscher, Ingenieure und Informatiker aus der ganzen Welt“. KI-Experten, die an Universitäten eingesetzt würden, signalisierten zwar Stärke in der Forschung, worin Deutschland international gut abschneide, aber „sie führten nicht direkt zu kommerzieller Innovation“, mahnt Interface. Ob daraus ein Wettbewerbsvorteil werde, hänge schließlich davon ab, wie gut die Übersetzung von der Wissenschaft in die Industrie funktioniere.

Positiv wertet die Analyse die Fokussierung der industriellen KI-Experten in Deutschland auf die hierzulande traditionell starken Felder Robotik, Ingenieurwesen und industrielle Anwendungen. Kritisch hingegen wird der vergleichsweise kleine KI-Experten-Pool (absolut etwa 3.500) im Bereich Gesundheitswesen gesehen – obwohl die Gesundheitsindustrie einschließlich Pharma dynamisch wachsende Branchen in Deutschland seien. „Angesichts des Ausmaßes der bevorstehenden Herausforderungen, einer alternden Bevölkerung, des überlasteten klinischen Personals und eines prognostizierten Mangels an Pflegekräften ist die Kluft zwischen dem Gesundheitswesen als strategischem Schwerpunktbereich für die KI in Deutschland und der aktuellen Fachkräftesituation eine der klarsten Erkenntnisse dieser Analyse“, schreiben die Autorinnen Siddhi Pal und Katharina Schneider.

KI-Bildung im Mittelstand wird wichtig

Für sie Zukunft geht die Untersuchung davon aus, dass sich die bestehenden Cluster noch verstärken: Etablierte Unternehmen bilden ihre Belegschaften in KI-Themen aus, der Anteil der Industrie an der KI-Befassung werde weiter wachsen. Politik müsse die KI-Expertise sowohl in diesem Bereich unterstützen, wie auch bei der Förderung der neuen Talente in der Startup-Szene. Interface gibt auf Basis ihrer Daten drei Handlungsmöglichkeiten zum politischen Einwirken vor: KI-Weiterbildung insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen stärken, in denen keine großen KI-Schulungspläne wie etwa bei Volkswagen liefen. Zum zweiten müsse der Expertenwechsel zwischen Forschung und Industrie funktionieren, damit KI-Expertise auch in die produktive Wertschöpfung einfließen kann. Schließlich sollten auch der Altersmix von KI-Experten in Unternehmen, Up- und Reskilling für erfahrene Beschäftigte und mögliche Rollenwechsel in den Blick genommen werden.

(Grafik aus dem Bericht von Interface: Germany’s AI Divide, Startups, Industry and the Race for Talent vom 2.09.2026)

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