„Optimism Bias“: KI ersetzt nicht meinen Job, aber wahrscheinlich deinen
Knapp 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland halten es einer Untersuchung der TU Darmstadt zufolge für wahrscheinlich, das Künstliche Intelligenz in den kommenden fünf Jahren in vielen Berufen Arbeitsplätze ersetzen wird. Für den eigenen Job hingegen besteht diese Befürchtung lediglich bei 15,7 Prozent der Befragten, über 60 Prozent halten die persönliche Ersetzbarkeit durch KI für eher oder gar sehr unwahrscheinlich. Forscher bezeichnen diese Lücke zwischen der Bewertung der eigenen Lage und der allgemeinen Situation in Sachen KI-Betroffenheit als Optimism Bias – Menschen schätzten demnach kollektive Risiken auch in anderen Zusammenhänger häufig höher ein, als die eigene Betroffenheit.
Babyboomer fürchten sich nicht
Dabei sind sich in der allgemeinen Bedrohungsbewertung der KI alle Altersgruppen weitgehend einig, während es bei der Beurteilung der eigenen KI-Betroffenheit erhebliche Unterschiede unter anderem nach Alter oder Hierarchie im Betrieb gibt. Beschäftigte mit Führungsverantwortung halten den eigenen Arbeitsplatz mit knapp 23 Prozent häufiger für ersetzbar, als MitarbeiterInnen ohne Führungsrollen (13,1 Prozent). Auch haben Jüngere offensichtlich ein weniger breites Job-Ego als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen: Während sich 21 Prozent aus der Generation Z KI-bedroht fühlen, sinkt dieser Wert auf 7,7 Prozent bei den Babyboomern.
Die Befragungsergebnisse entstammen dem aktuellen KI-Monitor 2026, einer repräsentativen empirischen Untersuchung unter 2000 Teilnehmenden über 16 Jahre. Die Untersuchung ist bereits die dritte, die die TU Darmstadt nun gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen YouGov durchgeführt hat. Einer der Befragungsschwerpunkte sind die erwarteten Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf Beschäftigung und Arbeitsmarkt.
Wer KI versteht, sieht die Lage klarer
Auch nach Branchen gibt es erwartungsgemäß erhebliche Unterschiede in der Bewertung der eigenen KI-Betroffenheit: Vor allem Medienarbeiter oder IT-ler halten ihre eigene Tätigkeit für KI-fähig (23,9 Prozent), am seltenstes ist das in Bau- und Handwerksberufen der Fall (12,3 Prozent). Wie die StudienautorInnen um den KI-Forscher Peter Buxmann in ihrem KI-Monitor schreiben, hängt die Bias-Lücke deutlich mit dem Stand an KI-Wissen zusammen: Sie ist dort am größten, wo Beschäftigte wenig Erfahrung mit Künstlicher Intelligenz besitzen, umgekehrt nähert sich mit steigendem KI-Wissen die Bewertung des eigenen Arbeitsplatzes der allgemeinen Bewertung an. „Wer versteht, wozu KI fähig ist, sieht die eigene Lage klarer“, heißt es in der Untersuchung. Erwerbstätige mit sehr hohem KI-Wissen hielten ihren Job zu 42,8 Prozent für ersetzbar, bei sehr geringer KI-Kompetenz seien es nur 6,2 Prozent.
(Grafik: Eigener Job ersetzbar, nach Generationen; Quelle: Buxmann, P. (2026): KI-Monitor 2026. Wie blickt Deutschland auf K¸nstliche Intelligenz? Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik – Software & AI Business, Technische Universitadt Darmstadt. Datenerhebung: YouGov, S. 23