KI plus Engineering: Deutschland mit viel Potenzial bei Industrial AI
Deutsche Unternehmen erzielen bereits heute mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz mit Produktinnovationen, die KI-Elemente enthalten. Dabei setzten deutsche Unternehmen insbesondere auf die Weiterentwicklung bestehender KI-Technologien und die ausgeprägten Engineering-Kompetenzen in den Betrieben. Nach einer Untersuchung von iw consult im Auftrag des Verbandes der Internetwirtschaft eco sei industrielle KI ein zentraler Baustein für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit im KI-Zeitalter. „Industrial AI verbindet Maschinen, Sensorik, Echtzeitdaten und lernende Modelle – ein Umfeld, in dem Deutschland aufgrund seiner starken industriellen Basis, umfangreicher Datenbestände und hoher Technologiekompetenz über besondere Wettbewerbsvorteile verfügt“, schreibt der Eco-Verband in einer Mitteilung. Um die wirtschaftlichen Potenziale der Technologie nachhaltig zu erschließen, seien der Ausbau von KI-Kompetenzen und Weiterbildungsmaßnahmen, ein verbesserter Zugang zu Daten sowie leistungsfähige digitale Infrastrukturen zentrale Bausteine.
Für die Studie hatte iw consult neben einer repräsentativen Unternehmensbefragung (500 Unternehmen), eine Befragung von 79 KI-Startups und die Auswertung von rund 55 Millionen Online-Stellenanzeigen herangezogen. Dadurch ließen sich, so die Autoren sowohl technologische und wirtschaftliche Entwicklungen als auch Veränderungen bei Kompetenzen und Fachkräftebedarfen analysieren.
40 Prozent der Unternehmen nutzen KI
Der Unternehmensbefragung zufolge nutzen 2026 etwa 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland Künstliche Intelligenz, etwa doppelt so viele, wie noch vor zwei Jahren. Die Daten decken sich auch mit anderen Erhebungen in Deutschland. Steigt der KI-Einsatz, steigt auch die Nachfrage nach KI-Kompetenzen bei den Beschäftigen. In allen in der Untersuchung von IW consult betrachteten Wirtschaftssektoren ist der Anteil an Stellenausschreibungen mit KI-bezogenen Kompetenzanforderungen über die Jahre gestiegen. KI ist den AutorInnen zufolge kein Thema mehr, das auf den IKT-Sektor oder besonders datenintensive Branchen beschränkt ist. Die Technologie diffundiert vielmehr in die gesamte Breite der Wirtschaft (zum selben Schluss kam gerade erst eine Untersuchung des Jobportals Indeed).
Die stärksten Zuwächse an KI-bezogenen Stellenausschreibungen zwischen 2019 und 2025 sieht die Untersuchung im IT-Bereich (7,4 auf 15,1 Prozent). „Bemerkenswert ist die Dynamik in der Industrie: Hier stieg der Anteil KI-bezogener Stellenausschreibungen von 2,5 Prozent (2019) auf 6,5 Prozent (2025), ein Anstieg um mehr als das Zweieinhalbfache“, schreiben die AutorInnen. Inzwischen suchten zudem auch kleinere Unternehmen nach Beschäftigten mit KI-Know-how.
Schon jeder Zweite automatisiert Prozesse mit KI-Unterstützung
Die meisten Unternehmen (90 Prozent) nutzen KI zur Text- und Sprachverarbeitung, gefolgt bereits von „Prozessautomatisierung mit KI-Unterstützung“ (50 Prozent). Bild- und Videoanalyse, Kundenservice und Softwareentwicklung folgen dann auf den weiteren Plätzen. 78 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen setzen allgemeine Basismodelle wie Chatbots ein, 38 Prozent nutzen darüber hinaus bereits fertige, spezialisierte KI-Lösungen externer Anbieter. Insgesamt 46 Prozent zählen zu den KI-Anwendern, die ausschließlich fertige KI-Lösungen einsetzen. Ein bedeutender Anteil der Unternehmen geht aber auch darüber hinaus und entwickelt KI für eigene Zwecke weiter. Insgesamt zählen 54 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen zu den KI-Spezialisierern oder dualen Anwendern, die bestehende Modelle anpassen und weiterentwickeln.