KI verändert IT-Jobs: Mehr Führung, Urteilsvermögen und Systemdesign gefragt
Die Coding-Fähigkeiten von KI beeinflussen den Arbeitsmarkt von Software-Entwicklern bereits heute, ein Abgesang auf den Berufsstand ist aber nicht angebracht: KI verändert die Anforderungen und die Aufgaben der Software-Experten, viel Arbeit wird für die Beschäftigten der IT-Branche anspruchsvoller, im besten Falle aber auch deutlich interessanter. Eine neue Studie der US-amerikanischen Arbeitsmarktanalyse- und Personalplanungsplattform Draup kommt zu dem Ergebnis, dass der IT-Jobmarkt durch KI eher expandiert, als schrumpft. Allerdings verlagern sich die Stellen in Richtung leitender Positionen oder Senior-Rollen, die deutlich häufiger gesucht werden, als Personal für generische IT-Tätigkeiten.
Für die Auswertung hat Draup fast 3 Millionen Stellenausschreibungen für neun technische oder KI-spezifische Jobprofile im Zeitraum von Juni 2025 bis Juni 2026 analysiert. Demnach bleiben Fähigkeiten wie System-Design, Debugging, Datenverwaltung und Modellbewertung für viele Unternehmen wertvoll, während Boilerplate-Coding, routinemäßige SQL-Arbeiten, manuelle Tests und Datenverwaltung am meisten der KI-Automatisierung ausgesetzt sind. Dagegen werden KI-Fähigkeiten, wie der Umgang mit GitHub Copilot, Cursor und Claude in immer mehr Stellenbeschreibungen abgefordert. Auch finanziell lohnt sich die gehobene Befassung mit KI-Entwicklung offenkundig. Laut Draup-Bericht hatten Ingenieure für maschinelles Lernen mit 166.764 USD das höchste mittlere Grundgehalt, während Datenanalysten mit 88.140 USD nur etwa die Hälfte verdienen konnten.
„KI reduziert nicht den Bedarf an technischen Talenten, sondern verändert das, was technische Talente wertvoll macht“, erklärt Draup-CEO Vijay Swaminathan die Ergebnisse auf der Webseite des Unternehmens. „Die Führungskräfte der Belegschaft müssen sich weniger auf die Aufgaben konzentrieren, die die Menschen heute ausführen, und mehr auf die Fähigkeiten, die weiterhin wichtig sein werden, wenn die KI leistungsfähiger wird. Die Unternehmen, die diese Verschiebung zuerst vornehmen, werden Vorteile aufbauen, die ihre Konkurrenten nicht leicht replizieren können.“
KI hebe die Messlatte für routinemäßige technische Arbeit und verlagere den menschlichen Wert in Richtung Urteilsvermögen, Systemdesign, Problemgestaltung, Überprüfung und Rechenschaftspflicht. Darum sollten sich laut Draup die Unternehmen auf die Fragestellung konzentrieren, welche Fähigkeiten innerhalb der technischen Rollen auch bei immer leistungsfähigerer KI weiterhin Mehrwerte schaffen könnten, statt diese Rollen und MitarbeiterInnen an sich in Frage zu stellen. Für Belegschaften bedeute dies, sich weniger auf bestimmte Tools und Technologien zu konzentrieren, sondern mehr auf die Fähigkeiten, die wertvoll blieben, unabhängig davon, wie sich die Technologie weiterentwickle.
Unternehmen müssten zudem traditionelle Ansätze für die Einstellung, Entwicklung und beruflichen Aufstieg von Personal überdenken, da viele der Aufgaben, die einst als Einstiegspunkte für technische Karrieren dienten, zunehmend automatisiert werden. „Der Wettbewerbsvorteil wird nicht durch den Einsatz der meisten KI kommen, sondern durch die Neugestaltung von Arbeitsplätzen, Fähigkeiten und Personalstrategien, wie sich die technische Arbeit dadurch verändert“, schreibt Draup.