KI verändert Arbeit

Ist das noch Konjunkturflaute oder schon KI?

Die Frage, wie groß der quantitative Impact Künstlicher Intelligenz auf den aktuellen Arbeitsmarkt tatsächlich ist – und wie viele der KI-zugeschriebenen Wirkungen in Wahrheit eher in einer Wirtschaftskrise begründet sind, bleibt vorerst unbeantwortet.

Qualitativer Umbau findet statt

Fest steht bereits der qualitative Umbau: KI verändert Tätigkeiten und wird dabei nicht nachlassen, stattdessen weiter und tiefer in unsere Arbeit, vor allem Wissensarbeit, aber auch in die Fertigung und in alle Dienstleistungsbereiche vordringen. Gleichzeitig steht der Arbeitsmarkt aktuell von verschiedenen Seiten unter Druck: Industrielle Geschäftsmodelle verändern sich disruptiv, neue Produkte mit neuen Anforderungen entstehen, die Verteidigungsindustrie boomt, Belegschaften sind überaltert, Technik rückt vor, unklare Regulierung erschwert es, Erlaubtes von Verbotenem zu unterscheiden.

Moderat mit Risiken: Geschäftsmodelle gesucht

Nach aktueller Studienlage – viele Untersuchungen sind und werden künftig hier in unserem Blog Human-in-the-Loop erklärt und verlinkt, sind die KI-getriebenen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt jetzt und in naher Zukunft moderat. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB; übrigens im Beirat von mv-works) erwartet nach der bislang bedeutendsten Analyse hinsichtlich der Jobauswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden 15 Jahren einen beinahe ausgeglichen Auf- und Abbaueffekt von Jobs, dafür aber einen erheblichen Umbau des Arbeitsmarktes in und zwischen Branchen und Tätigkeiten. Insgesamt sind im KI-Szenario des IAB bis 2040 ca. 1,6 Millionen Arbeitsplätze durch Auf- und Abbau betroffen – jeweils werden ca. 790.000 Jobs durch KI entstehen und verschwinden. Dabei gilt zu beachten: Der Wegfall von Jobs wegen KI-basierter Produktivitätssteigerungen erscheint mir heute beinahe gesichert, der Ausgleich durch neue KI-basierte Geschäftsmodelle hingegen ist eine Kraftanstrengung, vor der wir in Deutschland stehen!

Entwarnung auf der Makroebene hilft dem Einzelnen nicht

Und selbst wenn im Deutschland-Saldo, quasi auf der Makroebene, die Zahlen erst einmal beruhigend wirken können. Für jeden einzelnen Beschäftigten und ganze Belegschaften können die nächsten Jahre haarig werden, wenn sie in besonders KI-exponierten Positionen arbeiten. Nicht nur Meta in den USA will tausende Stellen umbauen, auch der deutsche KI-Übersetzer Deepl möchte ein Viertel seiner Belegschaft abbauen, unter anderem, weil KI im eigenen Unternehmen zunehmend Routinearbeiten übernehmen soll. Und die Chefin der Commerzbank gab in der vergangenen Woche bekannt, dass ein Großteil des geplanten Stellenabbaus von 3.000 Jobs durch KI-Nutzung begründet sei, Künstliche Intelligenz sei „sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen“ und ihre Auswirkungen seien größer als man vor gut einem Jahr angenommen habe.

KI senkt Eintrittshürden in Tätigkeiten

Gleichzeitig senken KI-gestützte Tools Eintrittsbarrieren in Jobs, sie ermöglichen Menschen, im Berufsleben Dinge zu tun, für die sie in der Vergangenheit nicht in Frage kamen. Darauf verweist der Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey, der bereits 2013 mit seiner Studie über das Automatisierungsrisiko für Jobs weltweites Aufsehen erregte. Vibe-Coding – also das KI-gestützte erstellen von Softwarecode – ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch andere Bereiche außerhalb des Programmierens werden davon betroffen sein, Sascha Lobo prophezeit das „Vibe-Working“. Mit der KI-gestützen Erledigung komplexerer Aufgaben wachsen allerdings die Anforderungen an die Qualitätskontrolle der erbrachten Leistungen – schließlich verlagert sich mit dem Vier-Augen-Prinzip Mehrarbeit oder höherer Kontrollanspruch auf die Führungsperson.

Beim Prinzip Human-in-the-loop sind Menschen integraler Bestandteil von Prozessen. Das ist das Prinzip von mv-works auch, darum passt dieser Blog so gut zu uns, darum starten wir dieses Informationsangebot Wir hoffen auf Eure Mitarbeit, Mitrede, Kritik und Anregung. Be Part of the Loop!

Axel von mv-works

Schreibt mir eure Kritik, Fragen, Anregungen, Ideen zu KI&Arbeit in der Welt, in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern gern direkt an

axel@human-in-the-loop.de

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