Deutschlands Blick auf KI: Studie zu Arbeitswelt und Zukunftstrends
Der KI-Monitor 2026 untersucht, wie Menschen in Deutschland Künstliche Intelligenz nutzen und bewerten. Die Studie verbindet Kenntnisse und Nutzungserfahrung mit beruflicher Unsicherheit, betrieblichen Rahmenbedingungen und Zukunftserwartungen. Die Autoren empfehlen mehr Qualifizierung, verlässliche Anwendungen und eine stärkere digitale Souveränität.
Für die Untersuchung unter Leitung von Wirtschaftsinformatikprofessor Peter Buxmann befragte YouGov im März 2026 insgesamt 2.133 Menschen ab 16 Jahren. Die gewichteten Ergebnisse sind laut Report repräsentativ für die Wohnbevölkerung Deutschlands ab 16 Jahren.
Nutzung und Wissen entwickeln sich unterschiedlich
Rund 72 Prozent der Befragten haben KI bereits verwendet, rund 15 Prozent haben ein KI-Training absolviert. Die Autoren beschreiben damit eine breite Nutzungserfahrung bei einer deutlich schmaleren Basis strukturierter Qualifizierung. Viele Kenntnisse würden informell erworben.
Diese Verbreitung bedeutet allerdings noch keine gefestigte Vertrautheit mit der Technologie. „KI mag im Alltag angekommen sein, eine breite und gefestigte Nähe zur Technologie ist daraus bislang nicht geworden“, heißt es im Report.
Wie eng diese Nähe mit der Bewertung zusammenhängt, zeigen die weiteren Auswertungen: Wer seine Kenntnisse höher einschätzt, nutzt häufiger anspruchsvollere Anwendungen und sieht öfter Chancen. Die KI-Affinität – ein Index aus selbst eingeschätzten Kenntnissen, Nutzung und Weiterbildung – trägt im untersuchten Modell deutlich mehr zur Beschreibung der Chancen-Risiken-Bewertung bei als demografische Merkmale allein. Die Richtung des Zusammenhangs bleibt jedoch offen.
Mehr Chancen sehen und den eigenen Job für ersetzbar halten
Die stärkere Chancenwahrnehmung geht nicht durchgehend mit geringeren Sorgen einher. Gerade Erwerbstätige mit höheren selbst eingeschätzten Kenntnissen halten ihren Arbeitsplatz häufiger für durch KI ersetzbar. „Das alte Narrativ greift nicht mehr. Wenn Menschen KI besser verstehen, verschwinden ihre Ängste nicht automatisch“, schreiben die Autoren.
Diesen Zusammenhang untersucht der Report auch anhand des sogenannten Optimism Bias: Erwerbstätige erwarten einen Ersatz von Arbeitsplätzen deutlich häufiger für die Arbeitswelt insgesamt als für den eigenen Job. Mit höheren selbst eingeschätzten Kenntnissen wird dieser Abstand kleiner. Besonders KI-Affinität und digital abbildbare Arbeitsergebnisse hängen mit der wahrgenommenen persönlichen Ersetzbarkeit zusammen.

Anwendungssorgen und Zukunftserwartungen unterscheiden sich
Während größere KI-Nähe mit einer höheren persönlichen Jobersatz-Erwartung zusammenhängt, zeigt die Nutzungserfahrung bei konkreten Anwendungen ein anderes Muster. Regelmäßig Nutzende äußern geringere Sorgen als Menschen ohne Nutzungserfahrung, etwa vor einem Verlust eigener Fähigkeiten. Einen breiten Jobersatz erwarten beide Gruppen dagegen ähnlich häufig.
Über die untersuchten Gruppen hinweg gehören falsche KI-Inhalte, mangelnde Nachvollziehbarkeit und Datenschutz zu den größten Sorgen. Die Autoren leiten daraus ab, dass Vertrauen verlässliche Ergebnisse, transparente Quellen und Möglichkeiten zur Fehlerkorrektur erfordert.
Qualifizierung und betriebliche Umsetzung gehören zusammen
Neben der Verlässlichkeit der Anwendungen betrachtet der Report die Voraussetzungen für ihren beruflichen Einsatz. Dabei zeigen sich Unterschiede innerhalb der Betriebe: Führungskräfte haben häufiger KI-Weiterbildungen absolviert als Beschäftigte ohne Führungsverantwortung.
Die Autoren sehen darin eine mögliche „interne Übersetzungslücke“ zwischen strategischen Entscheidungen und praktischer Umsetzung. Sie empfehlen deshalb, Kompetenzaufbau mit klaren Regeln, geeigneten Zugängen und unterstützenden organisatorischen Rahmenbedingungen zu verbinden.
Von der betrieblichen Praxis zur digitalen Souveränität
Über den heutigen Einsatz hinaus untersucht der KI-Monitor Erwartungen an die Produktivität von KI-Agenten, Einschätzungen zu einer möglichen Superintelligenz und die Bedeutung europäischer KI- und Cloud-Angebote. Damit erweitert der Report den Blick von individuellen Kenntnissen und betrieblichen Bedingungen auf die technologische Handlungsfähigkeit. Die Autoren empfehlen, digitale Souveränität durch Infrastruktur, Forschung und Bildung zu stärken.