Wahrgenommene Entscheidungsautonomie in Abhängigkeit von der Art der ChatGPT-Nutzung und dem individuellen Autonomiebedürfnis. Quelle: Maisch, Bipp & Walczok (2026), Work, DOI: 10.1177/10519815261476647.

ChatGPT im Job: Freiwillige Nutzung schneidet besser ab

Macht es einen Unterschied, ob Beschäftigte KI nutzen müssen oder dürfen? Eine erste experimentelle Studie aus Deutschland deutet darauf hin: Es kann einen Unterschied machen, ob Beschäftigte ChatGPT nutzen müssen oder selbst darüber entscheiden können. Forschende der Universitäten Heidelberg und München haben das mit 505 Beschäftigten unter kontrollierten Bedingungen untersucht.

Das Experiment war vergleichsweise einfach aufgebaut. Alle Teilnehmenden bekamen zwei Aufgaben aus einem fiktiven Personalbereich. Sie sollten zunächst Aufgaben für eine neue Stelle auswählen und anschließend eine Stellenanzeige schreiben. Der Unterschied: Eine Gruppe durfte dabei kein ChatGPT verwenden. Eine zweite Gruppe musste ChatGPT nutzen. Eine dritte Gruppe durfte selbst entscheiden, ob sie ChatGPT einsetzen wollte.

Anschließend wollten die Forschenden unter anderem wissen, wie viel Entscheidungsfreiheit die Teilnehmenden bei ihrer Arbeit empfanden: Hatten sie das Gefühl, bei der Aufgabe eigene Entscheidungen treffen zu können? Konnten sie selbst bestimmen, wie sie die Aufgabe bearbeiten? Es ging also nicht um betriebliche Mitbestimmung im Allgemeinen, sondern um den kleinen Entscheidungsspielraum innerhalb dieser beiden Aufgaben.

Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Gruppen. Wer ChatGPT nutzen musste, empfand weniger Entscheidungsautonomie als die Gruppe, die ohne KI arbeitete. Wer dagegen selbst über den Einsatz entscheiden durfte, fühlte sich deutlich autonomer als die Pflicht-Gruppe. Die freiwillige Gruppe unterschied sich bei der Entscheidungsautonomie nicht signifikant von der Gruppe, die ganz ohne ChatGPT arbeitete.

Auch bei einer der Aufgaben schnitt die Pflicht-Gruppe schlechter ab. Die Teilnehmenden sollten aus einer vorgegebenen Liste solche Tätigkeiten auswählen, die eine Stelle abwechslungsreicher und anspruchsvoller machen. Die Gruppe mit freiwilliger ChatGPT-Nutzung erzielte dabei bessere Ergebnisse als die Gruppe, die ChatGPT verwenden musste. Gegenüber der Gruppe ganz ohne KI gab es dagegen keinen Unterschied.

Der Versuch liefert damit erste Hinweise darauf, dass bei KI am Arbeitsplatz nicht nur das Werkzeug selbst wichtig sein könnte, sondern auch die Frage, wer über seinen Einsatz entscheidet. Gleichzeitig ist die Studie nur ein erster Baustein: Untersucht wurden zwei künstlich geschaffene Aufgaben in einem kurzen Online-Experiment. Ob sich derselbe Effekt über Wochen oder Monate im echten Arbeitsalltag zeigt, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Die Autoren halten deshalb weitere Untersuchungen in realen Arbeitsumgebungen für notwendig.

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